Vortrag15. Dezember 2020

Peter Gorsen (1933 – 2017) „Mentalitätshistoriker“ / Kunstwissenschaftler, Wien

Gesellschaftliche Realisationen und Konstellationen einer marxistisch intendierten Ästhetik und Kommunikation

Am 4. und 5. Dezember 2015 fand am mumok - Museum für Moderne Kunst Stiftung Ludwig Wien - die von Manuela Ammer und Kerstin Stakemeier organisierte Konferenz „Aber etwas fehlt. But something´s missing.“ Marxistische Kunstgeschichte zwischen Möglichkeit und Notwendigkeit. statt, zu der, der damals 82-jährige, emeritierte Professor Peter Gorsen eingeladen wurde einen Videovortrag zu halten. In der Ankündigung hieß es:

„Der sowjetische Proletkult ist das vielleicht konsequenteste Beispiel für eine grundlegende Popularisierung der Kunst hin zu einer generellen künstlerischen Praxis – eine radikale Sozialisierung der Kunst. In diesem Sinne kann der Proletkult jeder marxistischen Kunstgeschichte als Vorbild dienen, die nicht nur historische Auseinandersetzungen darlegen, sondern auch zeitgenössische provozieren möchte. In seinem Vortrag wirft Peter Gorsen einen Blick auf die künstlerische Politik des Proletkults und daran anschließende Bestrebungen, die durch den Proletkult aufgeworfenen Fragen in die marxistische Kunstgeschichte zu übertragen; ihm selbst kam in diesem Zusammenhang im deutschsprachigen Kontext der späten 1960er- und 1970er-Jahre eine Schlüsselrolle zu. Gorsen beleuchtet die drastischen Veränderungen, die das Verhältnis von Kunst, Kultur und Wirtschaft seit den 1960er-Jahren erfahren hat, und fragt nach der Relevanz des Proletkults in der heutigen Zeit. Dadurch konfrontiert er uns mit der Frage, was wir aktuell unter einer marxistischen, nach politischer Konsequenz strebenden Kunstgeschichte verstehen.“

Peter Gorsen, 1933 in Danzig (Gdańsk) in Polen geboren, war ein österreichischer Kunstwissenschaftler. Er studierte Philosophie, Psychologie und Kunstwissenschaft, promovierte bei Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas mit einer Dissertation zur Phänomenologie des Bewusstseinsstroms und lehrte danach Literatur und Soziologie an der Universität in Frankfurt. In den 70ern war Gorsen Dozent für Kunst und visuelle Kommunikation an der Universität Gießen. 1977 richtete er den Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien ein, wo er in den 90er auch das Institut für Museologie leitete. Zu seinen speziellen Themenschwerpunkten zählten die Art brut, die Geschlechterforschung (Gender Studies) - 1980 gab er mit „Frauen in der Kunst“ gemeinsam mit Gislinde Nabakowski und Helke Sanders die erste feministische Anthologie im deutschsprachigen Raum heraus - sowie Wiener Aktionismus und russischer Proletkult. Er verstarb 2017 in Wien im Alter von 84 Jahren.

https://www.mumok.at/de/events/aber-etwas-fehlt-somethings-missing
https://www.textezurkunst.de/articles/peter-gorsen-ethiker-des-unsittlichen-1933-2017/

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Projekt

TransArts goes KUNSTZELLE III

Bis 8. Mai 2021