Vortrag11. November 2014

Edgar Lissel Künstler, Wien

Bilder aus Dämpfen

– Eine Suche nach dem "Fotografischen"

In zahlreichen zeitgenössischen künstlerischen Positionen scheint sich der Umgang mit dem Medium Fotografie wieder vermehrt auf den Prozess und den konzeptionellen wie technischen Gedanken des „Fotografischen“ zu konzentrieren.
Die Arbeit mit dem Medium ist analytisch und medienreflexiv. Kurz: Das Medium ist das Motiv. So entwickelt die amerikanische Künstlerin Alison Rossiter bereits abgelaufenes Fotopapier, ohne es vorher wie gewöhnlich in einem Apparat zu belichten. Man sieht schemenhafte, schlierige Spuren fehlerhafter Belichtung und des chemischen Prozesses. Sie verweist damit auf eine Fotografie, die nicht der traditionellen Repräsentation von etwas verpflichtet ist, sondern nur sich selbst.
In seinen eigenen Arbeiten verwendet Edgar Lissel fotosensible Bakterien, die sich zum Licht bewegen und überführt den fotografischen Prozess in einen biologischen. Hubertus von Amelunxen spricht diesbezüglich von der Buchstäblichkeit der Fotografie.
Unter den Begriffen der kameralosen Fotografie und des misuse oder genauer der Verwendung fotografischer Materialien entgegen ihres eigentlichen „normalen“ Gebrauchs findet man zahlreiche weitere Positionen, die die Möglichkeiten des Mediums Fotografie untersuchen und ausdehnen.

Edgar Lissel, 1965 in Deutschland geboren, studierte Fotografie an der Hochschule Darmstadt. Seit Anfang der 90er Jahre arbeitet er als bildender Künstler. Seine Arbeiten werden international ausgestellt, so bisher unter anderem auf der Biennale für Architektur Venedig, Städelmuseum Frankfurt, Kunsthalle Krems, Galleria d’Arte Moderna Bologna und Museum der Moderne Salzburg.
Die Projekte von Edgar Lissel werden in zahlreichen Publikationen zitiert und seine Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, u.a.: National Gallery of Canada in Ottawa, Victoria & Albert Museum London, Staatliches Museum Schwerin, sowie der Deutschen und der Österreichischen Bundeskunstsammlung.
Seit 1998 unterrichtet Edgar Lissel Kunst und Fotografie an verschiedenen Universitäten und Hochschulen in Österreich (2005-2009 Universität für angewandte Kunst Wien), Deutschland (2010 als Gastprofessor an der Folkwang Universität der Künste in Essen) und zuletzt wieder als Gastprofessor an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Nach einem Stipendium der Villa Massimo/Casa Baldi in Rom, lebt er seit 2005 in Wien. Seit 2009 arbeitet Edgar Lissel ohne feste Akademieanbindung als selbstständiger Künstler. 2010 erhält er das Staatsstipendium für künstlerische Fotografie.
Im Jahr 2009 hat Edgar Lissel im Verlag schlebruegge.editor die Publikation „Vom Werden und Vergehen der Bilder“ herausgegeben, die einen umfassenden Überblick seiner Arbeiten präsentiert.

www.edgarlissel.de

Info

Rustenschacherallee 2-4, 1020 Wien

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23. Mai 2017, 10 Uhr