Vortrag24. November 2020, 10:00 Uhr

Thomas Hirschhorn Künstler, Paris

Robert Walser-Skulptur

Mit diesem Vortrag über die „Robert Walser-Skulptur“, einer Arbeit im öffentlichen Raum, die ich/wir letztes Jahr zusammen mit Bewohnern der Stadt Biel realisiert haben, möchte ich erklären, was ich aus dieser unglaublichen, schönen, schwierigen und komplexen Erfahrung gelernt habe. Ich möchte mit eigenen Worten ausdrücken, was bei dieser Erfahrung wirklich zählt. Für mich waren meine Anwesenheit und meine Produktion während der „Robert Walser-Skulptur“ eine Art „utopischer Moment“ - keine Utopie, in der alles nett, schön, komfortabel, gelöst und vollendet ist, überhaupt nicht - sondern ein Moment, in dem die Frage der Kunst, ihre Bedeutung, ihre Transformationskraft, ihre Wirkung und die Problematik des öffentlichen Raums jede Minute, jede Stunde, jeden Tag während 86 Tagen und 12 Stunden am Tag gestellt und besetzt wurden. Ich habe gelernt, dass Kunst einem vereinfachten Idealismus und einem vereinfachten Realismus widerstehen kann. Durch diese Erfahrung habe ich gelernt, dass das Verständnis von Kunst als Ausdruck konstitutiver und ontologischer Gleichberechtigung wirken kann, weil Kunst das Werkzeug ist, Kunst die Waffe, um Gleichberechtigung aufzubauen. Kunst muss funktionieren und funktioniert. Es gibt kein anderes Fundament, es gibt keine andere Mission. Die absolute Bestätigung der Gleichberechtigung ist die Verbindung, die verborgene und unsichtbare Verbindung, die die "Robert Walsler-Skulptur" zusammenhält.

Der Künstler Thomas Hirschhorn (*1957 in Bern) studierte von 1978 bis 1983 an der Kunstgewerbeschule Zürich und zog anschliessend nach Paris, wo er seither lebt.  Seine Arbeiten werden in zahlreichen Museen, Galerien und Ausstellungen gezeigt, darunter u.a. Biennale Venedig (1999, der Schweizer Pavillion 2011, 2015), documenta 11 (2002), 27. Biennale Sao Paolo (2006), La Triennale im Palais de Tokyo, Paris (2012), 9. Shanghai Biennale (2012), Manifesta 10 in Sankt-Petersburg (2014), The National Gallery of Kosovo (2018), McaM Ming Contemporary Art Museum, Shanghai (2018), Kochi-Muziris Biennale (2019).

Mit jeder Ausstellung in Museen, Galerien und alternativen oder öffentlichen Räumen manifestiert sich Thomas Hirschhorns künstlerisches Engagement für eine 'Nicht-exklusive Öffentlichkeit'. Für sein künstlerisches Werk hat der Künstler u.a. folgende Auszeichnungen und Preise erhalten: «Preis für Junge Schweizer Kunst» (1999), «Prix Marcel Duchamp» (2000), «Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum» (2003), «Joseph Beuys-Preis» (2004), «Kurt Schwitters-Preis» (2011) sowie den «Prix Meret Oppenheim» (2018).
Zahlreiche Publikationen von Thomas Hirschhorn und über sein Werk sind erschienen, u.a.: "Critical Laboratory: The Writings of Thomas Hirschhorn" (October Books / MIT Press, 2013); "Une volonté de faire", Thomas Hirschhorn (Éditions Macula, 2015); "Gramsci Monument" (Koenig Books, 2015); und das „Robert Walser-Sculpture”-Buch (Hatje Cantz, 2020).

www.thomashirschhorn.com

Info

ZOOM, Meeting-ID: 921 9410 5244 / Kenncode: 353994

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